Berufs- und Vermögensschadenhaftpflichtversicherung – wichtig oder überflüssig?

Wer sich selbständig macht, dem werden gleich alle möglichen Versicherungen aufgeschwatzt angeboten. Krankenversicherung, Haftpflichtversicherung, Rüruprente und noch so einiges mehr.

Speziell zur der Berufshaftpflichtversicherung möchte ich an dieser Stelle einiges erklären. Zu Wochenbeginn war ich auf Einladung des Versicherers HISCOX in Berlin auf dem BITKOM Trendkongress und hatte dort auch die Möglichkeit mit Mitarbeitern von HISCOX mich über das Thema zu unterhalten.

HISCOX ist ein seit über einhundert Jahren existierendes Versicherungsunternehmen aus England, das ursprünglich aus dem Bereich der Kunstversicherung kam und Gemälde usw. versicherte. Das machen die heute auch noch, bieten inzwischen aber auch andere Versicherungen an.

Aber wenden wir uns der Berufs- und Vermögensschadenhaftpflichtversicherung zu.

Anders als der Name vermuten lässt, stellt diese Versicherung keine Pflichtversicherung dar. Anders als zum Beispiel bei der KFZ-Haftpflichtversicherung, die man zwingend abschließen muß um sein Kraftfahrzeug nutzen zu dürfen, ist niemand der eine Firma gründet oder sich selbständig macht verpflichtet eine Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen.

Sollte man dann eine Berufs- und Vermögensschadenhaftpflichtversicherung abschließen oder nicht?

Natürlich gründet niemand eine Firma um seinen Kunden zu schaden. Dennoch passieren immer wieder Dinge, die dazu führen, daß einem Kunden ein Schaden entsteht, den dieser ersetzt haben möchte. Vieles davon ließe sich bestimmt vermeiden, aber darum soll es ja nicht gehen.

Hat man nun durch seine Tätigkeit einen Schaden beim Kunden angerichtet, ist man natürlich verpflichtet diesen Schaden zu ersetzen.

Klassisches Beispiel aus dem Bereich der Werbung:

Für eine bundesweit verbreitete Werbeanzeige wird ein Foto verwendet, für das man die dafür erforderlichen Rechte nicht besitzt. Der Fotograf mahnt das Unternehmen ab und verlangt noch entsprechende Lizensierungskosten. Das Unternehmen bezahlt den Fotografen, nimmt aber gleichzeitig die Werbeagentur in Regress. Hat letztere keine Haftpflichtversicherung abgeschlossen, darf sie den Schaden aus der Privatschatulle bezahlen und hoffen dann nicht pleite zu sein.

In solch einem Fall würde dann die Vermögensschadenhaftpflichtversicherung einspringen.

Doch die Versicherung ist noch mehr. Sie ist, was viele nicht wissen, gleichzeitig auch eine Rechtschutzversicherung, nämlich wenn es darum geht unberechtigt gemachte Ansprüche gegen den Versicherungsnehmer abzuwehren. Ist die Sachlage im o.g. Fall doch nicht so eindeutig und die Agentur sich sicher, daß sie keinen Fehler gemacht hat, so wehrt die Vermögensschadenhaftpflichtversicherung die Ansprüche auch durch die Übernahme der Anwaltskosten ab.

Es macht also durchaus Sinn eine solche Versicherung abzuschließen, können die gemachten Ansprüche doch durchaus mal die eigentlichen Einnahmen aus dem Auftrag weit übersteigen. Die Kosten dafür fangen bei ca. 300 € pro Jahr an, abhängig auch vom Risiko der jeweiligen Branche und der Versicherungssumme. Wie immer gilt: nach oben keine Grenze.

Welche Dinge umfasst die Berufs- und Vermögensschadenhaftpflichtversicherung?

Das hängt natürlich auch davon ab, was man in seine Versicherung ggf. mit einschließt. Eine Berufshaftpflichtversicherung umfasst den Versicherungsschutz für Personen- und Sachschäden sowie sich daraus ergebende Vermögensschäden. Reine Vermögensschäden, die nicht aufgrund von Personen- oder Sachschäden entstehen, sind darüber nicht abgesichert. Dies trifft zum Beispiel auf Abmahnungen zu, die wegen Urheberrechtsverletzungen oder Verletzungen von Persönlichkeitsrechten ausgesprochen werden. Wer sich dagegen versichern möchte, benötigt dazu noch die Vermögensschadenhaftpflichtversicherung. Diese deckt genau solche Fälle ab und wehrt auch unberechtigt erscheinende Forderungen ab. Sie ist damit auch eine passive Rechtschutzversicherung, d.h. gibt es Forderungen gegen den Versicherungsnehmer, die in den Bereich der abgeschlossenen Versicherung fallen, so übernimmt sie auch die Rechtschutzkosten zur gerichtlichen und außergerichtlichen Abwehr dieser Forderungen.

Ich persönlich halte den Abschluß von Berufs- und Vermögensschadenhaftpflichtversicherung gerade auch für Gründer und Startups für sehr wichtig, denn gerade zu Beginn der Selbständigkeit kann es durchaus sein, daß man den einen oder anderen Fehler mehr macht als wenn man bereits viele Jahre im Geschäft ist. Dazu kommt die gerade dann noch recht dünne Finanzdecke in vielen Fällen, was dazu führen kann, daß schon ein recht kleiner Fehler das schnelle Aus für die junge Firma bedeuten kann.

Bei welchem Versicherer man eine entsprechende Versicherung abschließt, sollte jeder nach eingehender Prüfung verschiedener Angebote entscheiden. Dabei sollte nicht nur der Preis eine Rolle spielen, sondern auch etwaige Ausschlüsse. Wie geht der Versicherer z.B. mit Berufsrisiken um, die es heutzutage noch gar nicht gibt, was sich aber durch Weiterentwicklung von Technik usw. schnell ändern kann? Das Stichwort hier lautet offener oder geschlossener Bedingungskatalog. Bei einem geschlossenen Bedingungskatalog sind nur die explizit genannten Risiken versichert, bei einem offenen alles was nicht explizit ausgeschlossen ist. Also auch Risiken die es heutzutage noch gar nicht gibt, die aber in einigen Jahren zur Realität gehören können.

Anbieter wie Hiscox haben sich auf bestimmte Berufssparten spezialisiert und bieten darauf abgestimmte Versicherungspakete an. Dies kann von Vorteil sein, da der Versicherer sich dadurch mit den Gegebenheiten dieser Berufsgruppen am Besten auskennt.

Also Augen auf bei der Versichererauswahl und sich am Besten von einem freien Versicherungsmakler kompetent und unabhängig beraten lassen, bevor man einfach das nächstbeste Angebot unterzeichnet.

Disclaimer: Ich wurde vom Versicherer Hiscox nach Berlin eingeladen und für die Erstellung des Blogbeitrags bezahlt. Dennoch stellt das was hier zu lesen ist ausschließlich meine persönliche Meinung dar.

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Spartipp: Zinsbelastung senken beim Dispokredit

Trotz diverser Ermahnungen aus der Politik und trotz des historisch niedrigen Zinsniveaus im Allgemeinen, hat sich in den letzten Jahren recht wenig bei den Zinsen für Dispokredite getan. Noch immer verlangen viele Banken für die Einräumung eines Dispokredits Zinssätze die sich um die 10 % und teilweise auch drüber bewegen.

Dabei sind reguläre Ratenkredite durchaus bereits zu Zinssätzen zwischen 2 und 4 % zu bekommen. Wer einen Dispokredit in Anspruch nimmt, der sollte daher prüfen ob dies regelmäßig oder doch nur im Ausnahmefall passiert. Bei regelmäßiger Nutzung ist zu empfehlen stattdessen einen Ratenkredit aufzunehmen und den monatlich abzuzahlen, um so die Zinsbelastung signifikant zu senken.

Wer das nicht möchte oder für den sich das nicht wirklich lohnt, da der Dispo eher selten und nur in kleinerem Umfang in Anspruch genommen wird, für den bietet sich der unabhängig vom Girokonto angebotene Rahmenkredit an, den verschiedene Banken im Angebot haben. Er funktioniert wie ein Dispokredit, ist aber häufig bedeutend günstiger als an das Girokonto gekoppelte Dispositionskredite. Zinsen werden auch dort nur für den in Anspruch genommenen Teil des Rahmenkredits gezahlt.

Bank11direkt verlangt zum Beispiel im ersten Jahr nur 4,99 % p.a., die sich danach auf immer noch recht günstige 7,99 % p.a. erhöhen. Der Unterschied zu den von zahlreichen Banken verlangten Zinssätzen ist also alles andere als gering und kann sich dadurch bei dem einen oder anderen durchaus signifikant bemerkbar machen.

Also Zinssätze vergleichen, Inanspruchnahmeverhalten des bisherigen Dispokredits vergleichen und dann entscheiden ob die Ablösung durch einen Ratenkredit oder die Beantragung eines separaten Rahmenkredits die bessere Lösung ist um die eigenen Zinsbelastung zu reduzieren.

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Bearbeitungsgebühren für Kredite sind unzulässig – jetzt Geld zurückholen

Der BGH hat entschieden: Bearbeitungsgebühren für Verbraucherkredite sind unzulässig. Die jahrelang von Banken praktizierte Berechnung solcher Gebühren ist nun höchstrichterlich gekippt worden. Für Verbraucher bedeutet das, sie können sich diese Gebühren von ihrer Bank zurückerstatten lassen. Wichtig ist, daß die Kreditverträge vor Mai 2011 abgeschlossen wurden. Zurück gehen kann man bis 2004, dann endet die 10-Jahres-Frist.

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Für welche Kredite kann man Bearbeitungsgebühren zurückfordern?

Grundsätzlich erstmal für alle Ratenkredite, die man zum Beispiel abschloss um ein Auto oder die neue Küche damit zu bezahlen. Noch nicht ganz klar ist, ob auch Immobilienkredite darunter fallen. Dies wird erst in der Urteilsbegründung des BGH zu lesen sein, die aber noch nicht erschienen ist. Unabhängig davon sollten Kunden bereits jetzt ihre Bank kontaktieren und die entsprechende Bearbeitungsgebühr zurückfordern. Damit stellen sie sicher, daß sie ihre Ansprüche innerhalb der Verjährungsfrist geltend gemacht haben. Für Kredite aus dem Zeitraum 2004 – April 2011 müssen die Verbraucher ihre Forderungen bis zum Jahresende 2014 bei ihrer Bank geltend machen. Für später geschlossene Kreditverträge gilt eine dreijährige Verjährungsfrist. Wichtig dabei ist, daß für Verträge aus dem Jahr 2004 eine taggenaue Verjährung gilt. Verträge die also vor dem 30.10.2004 abgeschlossen wurden, fallen nicht mehr unter die neue Rechtsprechung!

Wie sollten Verbraucher vorgehen um die Bearbeitsgebühr zurückzufordern?

Dazu gibt es einen Musterbrief, den die Verbraucherzentralen erstellt haben und den man dafür verwenden kann. Der ist zum Download als PDF erhältlich: http://www.vz-nrw.de/mediabig/231348A.pdf. Sollte die Bank auf das Schreiben nicht reagieren, sollte man schnellstmöglich einen Anwalt einschalten und ggf. gegen die Bank klagen. Auf jeden Fall sind die Chancen den Prozess zu gewinnen aufgrund der höchstrichterlichen Entscheidung des BGH sehr gut.


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Skatbank: Negativzinsen für hohe Guthaben

Von nun an gehts bergab, und zwar mit den Zinsen. Für Guthaben über 500.000 € auf Tagesgeldkonten will die in Thüringen ansässige Skatbank ab November 0,25 % Zinsen p.a. als Negativzinsen berechnen. Wer also solche Beträge auf seinem dortigen Tagesgeldkonto liegen hat, zahlt dafür Strafgebühren anstelle Zinsen zu bekommen. Bei ca. 15.000 Kunden, die die Skatbank laut eigenen angaben ungefährt hat, dürfte die Zahl derer die dort solche hohen Guthaben auf ihrem Tagesgeldkonto liegen haben wohl eher gering sein. Dennoch ist es ein Achtungszeichen und so bleibt es abzuwarten ob andere Banken dem Beispiel der Skatbank folgen werden.

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Allgemein ist bei der aktuellen Niedrigzinsphase sowieso davon abzuraten derart hohe Beträge auf einem Tagesgeldkonto liegen zu lassen. Die Renditechancen sind weitaus höher, wenn man das Geld an der Börse anlegt: in Aktien oder passiv gemanagte Indexfonds zum Beispiel. Die aktuellen Zinsen auf Tagesgeld und Festgeld liegen weit unter der Inflationsrate, sodaß man bei derartigen Anlagen eher Geld verbrennt. Daher lohnen sich Investments an der Börse nicht erst bei solchen hohen Beträgen, auch mit kleineren Beträgen lassen sich beachtliche Erträge erzielen.

Ein Trendwechsel bezüglich der Zinsentwicklung ist jedenfalls nicht in Sicht. Auch ein Grund mehr weshalb die Skatbank dieses Schritt mit den Negativzinsen ging.


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American Express bietet jetzt Videolegitimation an

Bisher war bei American Express, so wie bei faktisch allen Banken und Kreditkarteninstituten, eine Legitimation des Antragstellers nur via Postident oder einer Identifikation in einer Bankfiliale möglich. Nun geht American Express neue Wege und erweitert die Legitimationsmöglichkeiten um Videolegitimation. Videolegitimation ist per se nichts komplett neues. In anderen Bereichen wird diese Möglichkeit schon seit einigen Jahren angeboten, doch für die Finanzbranche ist es durchaus etwas ganz Neues.

American Express Gold Card

Die Vorteile der Videolegitimation liegen klar auf der Hand. Der gesamte Antragsprozess wird signifikant verkürzt und das um bis zu sieben Tage, das heißt der Antragsteller hat seine neue American Express Kreditkarte schon sieben Tage früher im Briefkasten. Beim Online-Kartenantrag wählt der Antragsteller zunächst eine der verschiedenen Identifikationsvarianten aus – Post- bzw. Bankident oder Videolegitimation via WebID. Entscheidet sich der Interessent für die Videovariante, wird er über einen direkten Link zu WebID weitergeleitet.



Zunächst trägt der Antragsteller seine persönlichen Daten in eine Eingabemaske ein und wird anschließend per Mausklick via Videochat mit einem Servicemitarbeiter von WebID verbunden, der ihn durch die Legitimation führt. Zur Identitätsprüfung hält der Antragsteller seinen Personalausweis oder Reisepass in die Kamera und nennt die Seriennummer seines Ausweisdokuments. Zuletzt erhält der Antragsteller eine Transaktionsnummer (TAN), mit der er die Identitätsprüfung bestätigt. Die Videolegitimation ist innerhalb von drei bis fünf Minuten abgeschlossen. Im Anschluss leitet WebID die Daten an American Express weiter und der Kreditkartenantrag wird bearbeitet.

Amex Payback Kreditkarte

Für die Videolegitimation ist eine Webcam und eine stabile Internetverbindung vonnöten. Technischen wird entweder der Telefoniedienst Skype oder eine aktuelle Version der Browser Chrome, Firefox oder Opera benötigt.



Durch die Videotelefonie wird eine Onlinebeantragung von Kreditkarten noch einfacher und schneller, denn nun kann der gesamte Antragsweg inklusive Legitimation in einem Rutsch von daheim aus gemacht werden.

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