Gestern ging bei mir eine Initiativbewerbung per Mail ein, die mich ins Grübeln brachte. Hier mal der anonymisierte Text:

Sehr geehrte Damen und Herren,

auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung, wende ich mich an Sie.

Als ausgebildeter Kaufmann im Groß- und Außenhandel und Diplom Betriebswirt (FH) kann ich sowohl die theoretischen als auch die praktischen Anforderungen des modernen Berufsalltages meistern.

Durch meine Tätigkeiten in kleinen, mittleren und großen nationalen und
internationalen Unternehmen bringe ich die Fähigkeiten mit, um auch in Ihrem Unternehmen zum Gesamterfolg maßgeblich beitragen zu können.

Auch durch meine Mehrsprachigkeit (deutsch – Muttersprache; englisch –
verhandlungssicher; spanisch – fließend; französisch – Grundkenntnisse) und die Auslandserfahrung, die ich während eines einjährigen Schüleraustausches machen konnte, kann ich mich in einem internationalen Umfeld sicher bewegen.

Meine beruflichen Stärken liegen im Bereich Vertrieb, Präsentation, Einkauf, Logistik und „Fire-Fighting“.

Der Umgang mit den üblichen Softwarepaketen ist mir vertraut.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne jederzeit zur Verfügung.

Gerne sende ich Ihnen vollständige Bewerbungsunterlagen zu.

Alle weiteren relevanten Informationen zu meiner Person erfahren Sie auf meiner Bewerbungs-Webseite

So weit, so gut.

Grundsätzlich bin ich ein Befürworter solcher Initiativbewerbungen, doch hier stellte ich mir die Frage welchen Sinn diese Bewerbung wirklich haben sollte, denn:

- mein Unternehmen hat absolut nichts mit dem Schwerpunkt zu tun, in dem der Bewerber tätig war bzw. sein möchte
- die Bewerbung war absolut nicht auf mein Unternehmen zugeschnitten, auch gab es nur eine anonyme Anrede obwohl in meinem Impressum mein voller Name steht
- wurde die Mailadresse meiner Ostrockseite verwendet, die bei den bisherigen Stellenausschreibungen von mir nie verwendet wurde
- auf der Bewerberwebseite stand nochmals haargenau der Text, der auch in der Mail stand - es wurde sich also in den Mails gar nicht die Mühe gemacht auf die Unternehmen einzugehen, an die man die Mails verschickt

Welchen Sinn macht dann also eine solche Bewerbung, die wahrscheinlich eh bei 99,9 % der Personalverantwortlichen gleich im Papierkorb landet, halt weil sie so unpersönlich ist? Soll mit dem Mailversand nur das eigene Gewissen beruhigt werden, daß man es ja versucht einen Job zu finden? Besteht für den Bewerber nicht die Gefahr, daß sein Name in ein schlechtes Licht gerät, durch diese lieblosen Initiativbewerbungen?

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