Onlineshop gründen – was es zu beachten gilt
In letzter Zeit erlebe ich es auf Xing immer wieder, daß Leute faktisch ohne wirkliches Eigenkapital einen Onlineshop aufbauen wollen. Das ganze soll dann “erstmal” nebenbei geführt werden bis sich dann der Reichtum einstellt und man gut davon leben kann.
Die wenigsten dieser Shops haben jedoch auch nur die geringste Chance einmal in ein Stadium zu gelangen, daß es dem Betreiber ermöglicht davon ein Auskommen zu haben. Häufig sind die Gedankengänge der neuen Shopbetreiber wie folgt aufgebaut: ich installiere ein Shopscript, pflege die Produkte ein und dann werden mir die Kunden schon die Bude einrennen. Das böse Erwachen kommt dann wenn die Besucher ausbleiben. Im schlimmsten Fall liegt das Lager voller Ware und keiner kauft sie.
Mit welchen Kosten ist bei einer Onlineshopgründung zu rechnen?
Die hier genannten Zahlen sind lediglich als grobe Schätzung zu betrachten und können durchaus auch bedeutend höher liegen. Aber so 8.000 – 10.000 Euro sind wohl auf jeden Fall nicht überdimensioniert.
Shopscript: Mit XT:Commerce, Oxid eSales CE und Magento gibt es drei Open Source-Shopscripte, die kostenfrei genutzt werden können. Kosten hierbei = 0 Euro.
Design: Ein professioneller Shop benötigt auch ein professionelles Design. Hier sollte man durchaus mit Kosten um die 1.000 Euro rechnen.
Anpassungen: Die wenigsten Shops kommen mit dem aus was standardmäßig geliefert wird. Da gilt es persönliche Anpassungen machen zu lassen, z.B. an ein Warenwirtschaftsystem. Hierfür wollte man auch um die 1.000 Euro einkalkulieren.
Rechtliches: AGB und Widerrufsbelehrung sind für Onlineshops unabdingbar, ebenso ein rechtskonformes Impressum und eine Datenschutzerklärung. Zwischen 800 und 1.200 Euro sollte man dafür bereithalten um dies von einem spezialisierten Anwalt ausarbeiten zu lassen.
Kurzer Zwischenstand: Wir sind jetzt schon bei ca. 3000 Euro und haben einen bisher leeren, aber bereits recht individuell gestalteten Onlineshop incl. der rechtlichen Vorgaben wie AGB usw.
Das nächste sind die Produkte. Häufig werden Produktdaten direkt vom Hersteller übernommen. Das führt dann unweigerlich zu duplicate Content. Also sollte man die Produktbeschreibungen für jedes Produkt individuell neu schreiben (lassen). Je nachdem ob man dies selbst macht oder sich professionelle Hilfe dafür holt können auch hier weitere Kosten anfallen. Dies sollte man ggf. mit einkalkulieren.
Etwas was viele auch unterschätzen sind die Hostingkosten. Gerade Systeme wie Magento sind hier recht ansprchsvoll. Daher ist es durchaus ratsam zu einem eigenen Server zu greifen. Wer sich mit Serveradministration nicht auskennt, der sollte die Finger von Rootservern lassen und lieber auf einen Managed Server zurückgreifen. Hierbei ist dann allerdings mit monatlichen Kosten im dreistelligen Eurobereich zu rechnen, also sollten hier auf Jahresfrist durchaus um die 1.500 – 3.000 Euro eingeplant werden.
Unterschätzt wird vielfach auch der Bereich Marketing. Nur weil es im Internet vieles kostenlos gibt, heißt das noch lange nicht, daß Onlinemarketing nichts kostet. Ganz im Gegenteil, auch hier können durchaus recht hohe Kosten anfallen die man einplanen sollte. Für den Anfang kann es nicht schaden für Marketingmaßnahmen (SEO, SEA) durchaus einen Betrag in Höhe von 3.000 – 5.000 Euro einzuplanen, je nach Themengebiet kann es auch ratsam sein einen bedeutend höheren Betrag dafür bereitzuhalten.
Wer jetzt mitgerechnet hat wird feststellen, daß die eingangs erwähnten 8.000 – 10.000 Euro recht knapp bemessen sind. Dabei sind noch gar keine Kosten für die Anschaffung eines Warenwirtschaftssystems und für die zu verkaufende Ware an sich eingeplant, die letztendlich auch erst einmal vorfinanziert werden muß.
Wer merkt, daß ihm das eine Nummer zu groß ist, der sollte prüfen inwieweit hier auf Existenzgründerdarlehen oder Fördermittel zurückgegriffen werden kann.
Auf jeden Fall ist es nicht ratsam “mal so nebenbei” einen Shop ins Netz zu stellen und dann auf den großen Reichtum zu hoffen. Letztendlich schadet man sich damit nur selbst.
On Oktober 9th, 2009 at 8:28 am
Das ist ziemlich nah der Realität…. schade eigentlich!
On Oktober 9th, 2009 at 10:51 am
Ich vergleiche das immer gern mit der Eröffnung eines Ladengeschäfts, mal abgesehen von den Personalkosten. Wer bereit ist diese 50 – 100 K im ersten Jahr zu investieren wird recht wahrscheinlich einen vorzeigbaren Erfolg einfahren und innerhalb weniger Jahre am vielzitierten ROI sein.
So nebenbei schaffen es die wenigsten zu Erträgen von denen man leben kann.
On Oktober 9th, 2009 at 11:19 am
Hallo und moin auch,
schön geschrieben – auch interessant, dass sich das inhaltlich zum Teil mit unserem ausgearbeitet Blogbeitrag: “Was darf ein Onlineshop kosten” deckt. Dieser würde diese Informationen hier auch gut ergänzen:
http://www.shoptrainer.de/shopsysteme/was-darf-ein-onlineshop-kosten.html
On Oktober 9th, 2009 at 11:26 am
Auf jeden Fall ein realistischerer Ansatz als das, was viele Neulinge sich vorstellen.
Das Onlnie-Shop Design mit 1.000 Euro ist meiner Meinung nach allerdings schon wieder sehr knapp bemessen. Geht man von einer kompletten Neuentwicklung des Designs aus (es sollen ja auch alle Unterseiten angepasst werden und zum Gesamtbild beitragen) liegt man da schnell deutlich über 1.000 Euro.
Die Designanpassung des Shops ist dann je nach System auch eine Sache für sich, so benötige ich für einen Magento mehr Zeit als für einen XT:C.
On Oktober 9th, 2009 at 11:50 am
Ja, so mag tatsächlich mancher Shopeinsteiger denken.
Ich unterstreiche, dass es ohne eigene Investitionen nicht möglich ist, einen wirtschaftlichen Onlineshop zu betreiben. Der OpenSource-Hype macht vielen weis, es wäre kostenlos. Aber das ist definitiv nicht der Fall.
Allerdings kann man die Zahlen aus meinen Erfahrungen als Shophersteller nicht so pauschalieren. Wir hatten schon sehr viele Kunden, die trotz Lizenzkosten für die Shopsoftware deutlich weniger Kosten investieren mussten und dennoch einen wirtschaftlichen Onlineshop zustande brachten. Es ist sehr branchenspezifisch und auch abhängig davon, was man sich von dem Onlineshopprojekt erwartet. Wer das ganze z.B. als Hobby betreiben möchte und schon damit zufrieden ist, wenn er nach 2 oder 3 Jahren einen Return on Investment erreicht, muss nicht annähernd so viel investieren. Auch das Budget für die Vermarktung kann sich jeder seinen Vorstellungen entsprechend setzen. Je nachdem wie viel der Shopbetreiber erreichen will.
Ein eigener Server. Naja, wenn die Shopsoftware sehr resourcenfressend ist, klar. Aber wer sein Budget niedrig halten will, wird sich doch sicher eher für eine Software entscheiden, die auch mit einem einfachen Shared Hosting Paket bei einem x-beliebigen Provider auskommt.
Beispiel für eine geringfügig individualisierte Lösung mit sehr geringen Anforderungen:
- Lizenzkosten: 500 Euro
- Anpassungsarbeiten samt Designanpassung: 1.000 Euro
- AGB-Vorlage durch Anwalt prüfen lassen: 300 Euro
- Hostingkosten für das 1. Jahr: 150 Euro
Summe: 1.950 Euro netto
Wenn bereits ein Kundenstock existiert (was erfahrungsgemäß häufig der Fall ist), benötigt man SEO und explizite Vermarktung nicht zwingend. Es sei denn, man möchte in Suchmaschinen oder über andere Kanäle gefunden werden.
Die Kosten für die Vermarktung kann und soll sich hier aber jeder selbst, unter Berücksichtigung seiner Ziele festlegen. Man kann 100 Euro pro Monat investieren oder auch 10.000 Euro oder mehr.
Sie haben aber vollkommen recht, dass das Betreiben eines Onlineshops von vielen unterschätzt und daher völlig falsch angepackt wird. Man würde oft viel Geld, Zeit und Nerven sparen, wenn man es gleich von Anfang an richtig anpacken würde.
Achtung: Ich spreche hier von minimalen Anforderungen. Sie haben das Wort “professionell” verwendet. Hier muss ich Herrn Ress recht geben, da sind 1.000 Euro für das Design sogar noch viel zu niedrig bemessen. Es kommt eben immer auf die Ziele des jeweiligen Shopbetreibers an.
On Oktober 12th, 2009 at 6:02 pm
Sehr schön und ausführlich beschrieben. Des weiteren sollten aber etwas Html – Kenntnisse vorhanden sein. Oder man in vestiert in einen Webmaster der monatlich oder wöchentlich die Seite pflegt. Da kommen auch noch Kosten hinzu welche im Monat schwanken. Es kommt da natürlich drauf an was und wieviel durch den Webmaster gemacht werden soll.
On Oktober 14th, 2009 at 8:28 pm
Ich bin auch immer wieder überrascht, wie wenig sich die Leute mit dem Thema E-Commerce überhaupt vorab beschäftigen. Nicht nur, dass es einen nicht zu unterschätzenden Aufwand bedeutet einen Online-Shop zu starten, danach fängt die eigentlich Arbeit (Pflege, Optimierung, Online Marketing) erst an. Aber das ist wohl wie in jedem Lebensbereich, die Menschen hoffen immer noch, dass der Erfolg von ganz alleine kommt.
On Januar 16th, 2010 at 10:41 am
Das ist ein Weg. Ich kann aus meiner Erfahrung allerdings sagen, daß der umgekehrte Weg auch gangbar ist. Aber vielleicht waren die Ansprüche der Kunden vor 10 Jahren auch etwas anders.
Die Frage ist wie viel Zeit man selber investieren will und kann.
Bei kleineren Nischen Projekten halte ich die Vorgehensweise für sinnvoll, erst eine Themenseite zu gestalten und sich in der Szene einen Namen zu machen. Wenn man diese akzeptierte Seite hat (die man entsprechen promoted), kann man sicher auch eine kleine Shop-Lösung von dort verlinken. weniger Kunden zu Anfang, heißt dann auch, daß die ersten Fehler (die jeder macht) nicht so gravierend sind.
On Juni 28th, 2010 at 4:44 pm
[...] wollen Sie wissen, was so etwas denn kostet. ab 3000 Euro. Warum das so ist, können Sie im verlinkten Artikel [...]
On Februar 16th, 2011 at 4:27 pm
Warum so komplex, wenn doch einfach auch geht: unter strato.de bekommt man vorgefertigte Websites welche lediglich mit Inhalt gefüllt werden müssen (Optik, Bilder, Beschreibung und Preise usw.)
Dies REICHT VOLLKOMMEN für eine Eröffnung! Kosten unter 100 € pro Jahr!
Auch kann man künftig immer noch die vorgenannten stimmigen Erweiterungen/Verbesserungen der Vorredner bringen.