Kürzlich stellte ich bereits Yomo hier vor, das neue Smartphonekonto der Sparkassengruppe. Nach knapp drei Wochen Nutzung habe ich meinen Test abgebrochen und das Konto schließen lassen.

Gut gedacht ist nicht gut gemacht

Größtes Problem ist und bleibt die Tatsache, daß es keine allgemeinen Konditionen für ein Yomo-Konto gibt, sondern jede beteiligte Sparkasse ihre eigenen Konditionen vorgibt. Lediglich die Tatsache, daß es keine Kontoführungsgebühren gibt und die Girocard kostenlos ist, sind gleich. Alles andere legt jede Sparkasse für sich fest. Damit ist Yomo faktisch unvergleichbar – niemand ist doch tatsächlich in der Lage irgendwann aus vielleicht mehreren hundert verschiedenen Konditionsmodellen der zahlreichen Sparkassen das für sich optimale herauszufinden. Schon jetzt ist das bei nur zehn beteiligten Sparkassen sehr schwer, da es keine Vergleichstabellen oder ähnliches gibt.

Bei Fidor und N26 weiß man dagegen genau woran man ist, was kostenlos dabei ist und wofür man ggf. extra Gebühren zahlen muß. Da braucht man nicht lange recherchieren.

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Hier ging man also schon mal einen ganz falschen Weg. Richtig wäre die Gründung einer unabhängigen Yomo-Bank gewesen, die ihre ganz eigenen Konditionen festlegt und dann hätten die Sparkassen das Konto als Affiliatepartner auf Provisionsbasis vermitteln dürfen. Anders läuft das mit den Bausparverträgen der LBS und den Fonds der Dekabank auch nicht. Wäre hier mit dem Yomokonto auch machbar gewesen.

Die Konditionen sind unterirdisch. Kostenlose Kontoführung und kostenlose Girocard sind ja schön und gut, aber das ist nicht alles. Die Girocard unterstützt kein Paypass, eine kostenlose Kreditkarte ist ebenfalls nicht vorgesehen. Also muß man stecken und PIN eingeben oder gar unterschreiben bei ELV. In Zeiten wo ich selbst 18 Cent bei Aldi mit einer kontaktlosen Mastercard bezahle, ist es indiskutabel auf so ein Steinzeitniveau in Sachen Zahlungsverkehr zurückzugreifen. Das hält alles nur lange auf und die Benutzung fremder Kugelschreiber und das Eintippen einer PIN erhöhen wieder die Ansteckungsgefahr mit Viren, was man bei kontaktloser Zahlung umgeht. Kontaktloses Bezahlen ist aktive Gesundheitsvorsorge!

Dazu kommen dann noch die unsäglichen Fremdwährungsgebühren. Für die Benutzung der Yomo Girocard der Sparkasse Paderborn-Detmold außerhalb der Eurozone wären MINDESTENS 77 Cent Fremdwährungsgebühren berechnet worden, unabhängig vom bezahlten Betrag!

Wenn ich in Polen bei Zabka einen Hotdog kaufe, dann kostet der dort 2,99 PLN (ca. 70 Cent). Da müsste ich dann über 100 % Fremdwährungsaufschlag bezahlen! Und da wundern sich die Sparkassen, daß ihnen die Kunden weglaufen? Nur mal zur Erinnerung: rund um Deutschland und nicht weit drumherum befinden sich Länder wie Polen, Tschechien, die Schweiz, Großbritannien, Dänemark, Schweden, Norwegen und Ungarn. Alles beliebte Reiseländer und alles Ländern ohne Euro als gesetzliches Zahlungsmittel. Wer dorthin reist und mit seiner Yomocard zahlen will, wird in Sachen Fremdwährungsgebühren richtig abgezockt! Da greift man doch lieber zur kostenlosen Mastercard von Fidor und N26, die nicht nur Paypass unterstützen, sondern auch auf Fremdwährungsgebühren voll und ganz verzichten.

Und bevor jemand sagt „ist doch noch Beta“: Mitbewerberbeobachtung gehört zu den Basics. Die Konditionen der beiden großen Anbieter in dem Segment sind kein Geheimnis und damit dürfte auch klar sein, was die Leute dahin lockt. Wenn man dann aber selbst so weiter macht als gäbe es derartige Konditionen nirgends, braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Leute weiter vor einem davonlaufen. Und nein, eine Girocard braucht niemand. Ich kenne nur ganz wenige Girocard-only-Geschäfte und die meide ich halt. Bis Sommer 2016 zahlte ich überall mit Payback Maestro, inzwischen nur noch mit Mastercard und Visa. Wer das als Zahlungsmittel nicht nimmt, verliert mich halt als Kunden. Und wer als Bank mir sowas nicht kostenlos anbietet, verliert mich ebenfalls als Kunden.

Die App ist Alpha und nicht Beta

Die App ist alles andere als im Betastadium. Beta heißt, kurz vor der Final. Doch davon ist bei dieser App nichts zu merken. Wesentliche Grundfunktionen eines Girokontos fehlen hier. Man kann weder Daueraufträge noch Terminüberweisungen machen. Es gibt kein Postfach, d.h. ich habe niemals einen Kontoauszug gesehen. Bei anderen teilnehmenden Sparkassen gab es wohl einen Auszug per Post, bei der Sparkasse Paderborn-Detmold nicht. Die Yomo-App ist vermutlich die einzige Bankingapp weltweit, die die älteste Buchung zuerst anzeigt, sodaß es einer Scrollorgie bedarf um zu wissen was sich zuletzt auf dem Konto tat. Hier hätte der gesunde Menschenverstand den Entwicklern schon sagen müssen, daß das blödsinnig ist.

Irgendwann war es dann nicht mehr möglich sich in der App einzuloggen. Auch zwei Updates der App brachten keine Änderung. Stattdessen hieß es dann vom Support, ich solle einfach den ganzen Videolegitimationskram nochmal machen. Da hab ich es dann aufgegeben und die App gelöscht und per Mail um Schließung des Kontos und Rücküberweisung des Restguthabens gebeten.

Der Support ist unterirdisch lahm

Gerade in solch einer Testphase ist der Support das Bindeglied, doch er ist ein sehr dünnes Glied. Mails werden in der Regel erst nach 48 h beantwortet, das ist definitiv zu lang. Anno 2017 darf man erwarten binnen zwei Stunden eine Antwort auf eine Mailanfrage zu bekommen. Da kann man die Leute nicht mal zwei Tage in der Schwebe hängen lassen. Schon vor Start des Tests hatte ich angeraten ein Forum zu eröffnen, wo sich die Betatester austauschen können, aber dazu fühlte sich Yomo bis heute nicht in der Lage. Es kommt einem alles vor wie gewollt und doch nicht gekonnt.

So wird das also nichts werden und ich bezweifel inzwischen auch, daß es wirklich mal etwas werden sollte. Vielleicht ist das eher als Alibi gedacht, damit man sich ein reines Gewissen machen kann, daß man ja versuchte die Leute zu halten, sie aber trotz „toller“ Angebote zur Konkurrenz wechselten. Anders kann ich mir so viel Unfähigkeit gar nicht mehr vorstellen. Insofern brauchen sich Fidor und N26 vor Yomo nicht zu fürchten und ich gehe nicht davon aus, daß sie das in naher Zukunft nochmal irgendwann wirklich müssten.

3 Kommentare


  1. Danke für diesen interessanten Test. Obwohl ich zwar schon bereit wäre, für bestimmte Services durchaus zu zahlen, finde ich solche „Angebote“ auch furchtbar. Die können sich die Sparkassen echt sparen! Hrhrrr.

    Und ich muss dir auch bezüglich der bargeldlosen Bezahlung in Geschäften rechtgeben. Gerade, wenn die Sparkassen und Banken ihre Geldautomaten mehr und mehr abschaffen, sollten Ladeninhaber lieber heute als morgen auf diese Zahlungsmethode umstellen. Eine Frage hätte an Dich hätte ich: Weißt Du, ob kontaktloses Bezahlen auch mit einer Visa-Kreditkarte möglich ist?

    • admin

      Natürlich ist es das, sofern die kartenausgebende Bank NFC aktiviert hat. Einfach mal gucken ob das WLAN-Symbol auf der Karte drauf ist oder irgendwo der PayWave-Schriftzug zu sehen ist. Ansonsten im Zweifelsfall einfach beim nächsten Bezahlen ausprobieren. Mehr als eine Fehlermeldung kann nicht kommen. 😉


  2. Hi Torsten,

    der Beitrag geht den Yomo´s wohl wirklich gegen den Strich. Es wird aber auch mal Zeit, dass jemand denen die Schwächen aufzeigt.

    Allerdings hast Du das Thema ELV und kontaktlos doch arg verkürzt dargestellt. ELV ist regulatorische Vorgabe und das NFC-Rollout für die girocard beginnt ja leider gerade erst.

    Grundsätzlich finde ich, dass eine girocard auch per se erst einmal positiv ist. Besonders im Westen findet man viele Händler, die keine Maestro nehmen. Es ist mir auch häufiger passiert, dass trotz MasterCard-Akzeptant Maestro nicht ging. Aber die Diskussion hatten wir ja schon 😉

    Allerdings fehlt mir komplett die Antwort auf die Frage nach dem Case. Man setzt mit Riesentamtam ein Brot- und Butterprodukt in die Welt. Und der fachkundige Beobachter stellt sich sofort die Frage, ob das angekündigte MasterCard/VISA-Produkt auch wieder rote Standardware wird und damit vollkommen an der avisierten Zielgruppe vorbeigeht.

    Ich glaube, die wissen selbst noch nicht so wirklich, was weiter passieren wird…

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