Mobile Payment – es geht nur langsam vorwärts

Was war gestern die Freude groß in den Medien, daß Google Pay in Deutschland startete. Doch so schnell die Euphorie hochkochte, so schnell gab es wieder einen Dämpfer. Sparkassen wie auch Volks- und Raiffeisenbanken wollen bei Google Pay nicht mitmachen und statten lieber ihre eigenen Apps mit entsprechenden Bezahlfunktionen aus. Noch in diesem Jahr sollen die Girocards in den Apps von Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken mobil verfügbar sein und somit die Möglichkeit bieten mit dem Smartphone in Geschäften zu bezahlen.

Während man bei den Sparkassen und VR-Banken durchaus noch davon ausgehen kann, daß Teilen ihrer Klientel die Bezahlfunktion über die bankeigene App vollkommen ausreicht, ist es durchaus fraglich weshalb auch Anbieter wie Fidor und der Techhersteller Garmin auf eigene Lösungen setzen und sich nicht für Google Pay entschieden haben.

Im übrigen ist die Aussage, daß sich die Sparkassen nicht an Google Pay beteiligen auch mit Vorsicht zu genießen. Die zur Sparkassengruppe zählende Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) wird sehr wohl in Kürze Google Pay anbieten. Gut möglich, daß auch große Direktbanken aus der Sparkassengruppe hieran teilnehmen werden. Bei der DKB und der 1822direkt ist dies durchaus im Rahmen des Möglichen.

Die große Wechselstimmung hin zu Mobile Payment wird in Deutschland aber durchaus noch auf sich warten lassen. Zwar steigen die Zahlen der bargeldlos getätigten Transaktionen durchaus, doch noch greifen viele Leute bei kleineren Beträgen lieber zum Bargeld, selbst wenn ihre Zahlkarte kontaktloses Bezahlen unterstützt und der Händler ein dementsprechend konfiguriertes Terminal hat. Zu stark auch die Angst, daß jemand unberechtigt Daten abgreifen könnte oder ein Dritter Dinge zum Kaufverhalten erfährt.

300x250Gerade daher wäre es gut gewesen, hätten sich die VR-Banken und Sparkassen auch Google Pay angeschlossen. Eine App, die von allen genutzt werden kann, erleichtert es auch psychologisch sie zu installieren. Bei einem Bankwechsel braucht man sich nicht an eine neue App zu gewöhnen, sondern kann seine bisherige Bezahlapp weiter nutzen. Lediglich die Kartendaten müssen entsprechend geändert werden. Personen, die Konten und Karten bei unterschiedlichen Banken haben, hätten so die Möglichkeit gehabt alles in einer App zu bündeln. Stattdessen muß diese Zielgruppe nun verschiedene Bezahlapps installieren, wenn sie alle vorhandenen Karten auch mobil zum Bezahlen nutzen möchte.

Ein Umdenken bei Sparkassen und VR-Banken ist übrigens immer noch möglich. Grund könnte auch der demographische Wandel sein, der dazu führt, daß gerade viele Rentner, eine der Hauptkundengruppen dieser Bankengruppen, in den nächsten Jahren stirbt. Wenn man dann keine passenden Angebote für junge Leute hat, wechseln diese schnell zu moderner agierenden Mitbewerbern.

1822direkt

In ca. zwei Jahren werden wir wissen, wer den Kampf um die mobilen Nutzer in Sachen Payment gewonnen hat und auch ob die Deutschen sich für das Bezahlen mit dem Smartphone begeistern ließen oder nicht.

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