Wachstum bei der Girocard

Kürzlich gab es ein paar sehr interessante Hintergrunddaten zur Girocard, dem nationalen Zahlkartenscheme. Praktisch jeder Bürger hat eine Girocard, dennoch dürften rund 50 % der Karten noch nie ein Kartenlesegerät gesehen haben. Doch viel interessanter sind die Zahlen, wie sich die Kartennutzung bisher entwickelt hat.

Rund 100 Millionen Girocards sind aktuell im Umlauf. Im ersten Halbjahr 2018 gab es, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, eine interessante Entwicklung.

1,76 Milliarden mal wurde im ersten Halbjahr 2018 mit der Girocard bezahlt. Das ist ein Anstieg um rund 14 % zum Vorjahreszeitraum, wo die Girocards rund 1,54 Milliarden mal zum Bezahlen eingesetzt wurde. Im gleichen Zeitraum stiegen die bei diesen Zahlungen getätigten Umsätze um 12 % auf rund 87 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 78 Milliarden Euro. Das geringere Umsatzwachstum im Vergleich zum Wachstum der Kartentransaktionen führt dazu, daß der Durchschnittsbetrag je Transaktion von 50,66 € auf 49,49 € sank und damit erstmals die 50 €-Grenze unterschritten wurde.

Ein Grund für diese Entwicklung dürfte im Angebot des kontaktlosen Bezahlens liegen, wodurch für Zahlungen unter 25 € keine Pin-Eingabe oder Unterschrift nötig ist. Das spart Zeit und sorgt auch dafür, daß immer häufiger Kleinbeträge mit Karte gezahlt werden. Bereits 7,2 % aller Girocard-Transaktionen werden inzwischen kontaktlos ausgeführt und das, obwohl Girocard kontaktlos noch gar nicht so lange verfügbar ist und auch noch nicht alle Kunden eine kontaktlose Girocard besitzen.

comdirect ec-KarteEine ähnliche Entwicklung bezüglich Transaktionszahlungen und Umsatz hatte Visa Deutschland bereits vor einem Jahr in Bezug auf 2016 zu 2015 verkündet. Damals stiegen die Transaktionszahlen um 10,7 % im Jahr 2016 zu 2015 und der Umsatz um 6,9 %. Girocard holt jetzt, durch die Möglichkeit kontaktlos zu zahlen, diese Entwicklung nach. Schwedische Verhältnisse, wo faktisch nur noch bargeldlos gezahlt wird, sind in Deutschland in absehbarer Zeit zwar nicht zu erwarten, doch der Trend zur häufigeren Nutzung von Karten anstelle Bargeld ist ungebrochen und setzt sich zunehmend auch bei kleineren Beträgen durch.

Wenn sich demnächst auch dort, wo man bisher in erster Linie nur bar bezahlen kann, Kartenzahlung durchsetzt, dürfte auch einem weiteren Wachstum der Transaktionszahlen und des Umsatz nichts im Wege stehen. Gerade auch bei den Bäckern und in Teilen der Gastronomie gibt es da noch einigen Nachholbedarf. Wenn auch dort das Bargeldmonopol gebrochen wird, brechen für Kartennutzer paradiesische Zeiten an.