Offline bezahlen mittels Smartphone

Deutschland ist immer noch das Land der Barzahler. Kreditkarten haben es hier seit Jahrzehnten schwer sich durchzusetzen, auch wenn sich dies in den letzten Jahren etwas änderte, da viele Direktbanken ihre Girokontoangebote mit einer Kreditkarte verknüpften. Nachdem nun die EU die Nutzungsentgelte bei Kreditkartenzahlung zugunsten der Händler drastisch deckelte, bieten auch in Deutschland immer mehr Geschäfte und gastronomische Einrichtungen die Bezahlung mittels Kreditkarte an.

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Doch die klassische Plastik-Kreditkarte bekommt längst neue Konkurrenz. Gemeint ist die Möglichkeit mittels Smartphone seine Rechnung im Geschäft oder Café zu bezahlen. Bezahlen mittels Smartphone ist übrigens nicht gleich Bezahlen mittels Smartphone. Auch hier gibt es verschiedene Systeme, die ganz unterschiedliche Ansätze verfolgen.

Nachfolgend möchte ich die bisher in Deutschland verfügbaren Systeme einmal näher vorstellen und dabei auch die Vor- und Nachteile derselben beleuchten.

Netto / Edeka /Marktkauf – Smartphone-Zahlsystem

Den Anfang machte einst 2013 der Netto Markendiscount, der zu Edeka gehört. Inzwischen wird das nachfolgend beschriebene System auch in einigen Edeka-Märkten sowie bei Marktkauf eingesetzt. Man kann in allen drei Märkten mit verschiedenen Apps auf das gleiche Nutzerkonto zugreifen.

Das System ist etwas anders gestrickt, als die anderen Systeme. Zuerst installiert man die jeweilige App, registriert sich dort und hinterlegt ein Girokonto. Dann bekommt man zwei Freischaltcodes: einen via SMS und einen im Rahmen einer 1-Cent-Überweisung auf das angegebene Girokonto. Hat man beide Codes eingegeben, hat man einen wöchentlichen Verfügungsrahmen in Höhe von 250 €. Kommt man an die Kasse, öffnet man die App, sucht die Filiale aus wo man sich gerade befindet und lässt sich dann einen Code anzeigen. Diesen vierstelligen Zahlencode gibt man der Verkäuferin, die tippt den ein und schon ist alles bezahlt. Den Kasselzettel erhält man dann in die App sowie per Mail zugeschickt. Für App-Nutzer gibt es zudem zusätzliche Rabattcoupons, die dann automatisch abgezogen werden, wenn man entsprechende Produkte gekauft haben sollte.

Das System ist sicherlich nicht das Nonplusultra, aber es funktioniert. Auch wenn man hier für jeden der drei Discounter eine separate App benötigt, sofern man in allen dreien damit bezahlen will.

Bezahlen mittels Paypal-App

Paypal dürften viele kennen, insbesondere all jene die mehr oder weniger regelmäßig online einkaufen. Der Zahlungsdienstanbieter gehörte bis vor kurzem zu Ebay und ist jetzt wieder selbständig. Paypal hat seit 2014 eine App auf dem Markt, mit der man nicht nur seine Umsätze sehen kann was man online bezahlt hat, sondern die auch dazu dient in kooperierenden Läden damit offline zu bezahlen. Insbesondere in der Gastronomie versucht Paypal damit Fuß zu fassen, speziell auch in Cafés, kleinen Fast Food-Läden usw. Allerdings ist die Zahl der Läden, die das unterstützt derzeit noch sehr überschaubar. Dennoch sollte man gerade Paypal hier durchaus im Auge behalten, es dürfte sehr realistische Chancen geben, daß Paypal sich damit gut am Markt behaupten kann. Der Vorteil für den Nutzer ist dabei, daß dem Ladenbetreiber dabei die Kreditkartendaten nicht zur Verfügung gestellt werden. Außerdem kann der Nutzer jederzeit flexibel zwischen den einzelnen hinterlegten Kreditkarten und Girokonten wechseln.

Bezahlen mittels Payback-App

Ganz neu ist auch das Bezahlen mittels der Payback des Rabattportals Payback. Allerdings funktioniert das aktuell nur bei der Supermarktkette real und dem dm Drogeriemarkt. Weitere Händler sollen aber noch folgen. Der Nutzer kann in der Payback sein Girokonto hinterlegen und dann wählt er an der Kasse in der App „Punkten und bezahlen aus“, gibt eine PIN ein und bekommt einen QR-Code angezeigt, den die Kassiererin dann einscannt. Das wars dann auch schon. Eine Verknüpfung mit einer Kreditkarte ist leider nicht möglich. Das führt die App ein wenig ad absurdum, denn Payback bietet selbst auch noch Kreditkarten von Amex und Visa an, mit denen man Punkte sammeln kann.

Alle Systeme haben eines gemeinsam: sie funktionieren derzeit noch sehr eingeschränkt. Ob und wie schnell sich das ändert, bleibt abzuwarten. Dann könnte irgendwann auch das Ende der Plastikkarte als Zahlungsmittel gekommen sein, wenn man nur noch sein Smartphone zücken muß um eine Zahlung vor Ort zu tätigen.

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